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30.01.2016  - Naturschutz und Biodiversität im Biosphärenreservat Bliesgau – mehr Schein als Sein?

Der NABU Saarland zieht Bilanz.

Naturliebhaber, die sich als Reiseziel den Bliesgau auserkoren haben und wissen möchten, wie es um Flora und Fauna im Bliesgau bestellt ist, können sich auf der Webseite des UNESCO-Biosphärenreservates, auf Touristikportalen, in Broschüren etc. ausgiebig informieren. Auf der offiziellen Homepage ist dann z.B. zu lesen: „Der Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft und der damit verbundenen Artenvielfalt ist das erklärte Ziel des Biosphärenreservates.“ und der Bliesgau sei eine „Schatztruhe für besondere Arten“.

In der Tat gilt der Bliesgau als eine der artenreichsten Naturlandschaften Europas, und diese außergewöhnliche Vielfalt an Arten und Lebensräumen stellt laut UNESCO eines seiner herausragenden Charakteristika dar. Im saarländischen Vergleich verfügt er über die meisten Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete, mit seiner hohen Greifvogeldichte wurde er als Important Bird Area (faktisches Vogelschutzgebiet) ausgewiesen und ist zudem Rotmilandichtezentrum. 

Da man über diese hervorragenden Ausgangsbedingungen verfügt, müsste es um den Erhalt der Biodiversität eigentlich bestens bestellt sein. Immerhin gibt es entsprechende Vorgaben der UNESCO, die Bundesregierung hat bereits 2007 eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt vorgelegt und auch die saarländische Landesregierung ist derzeit dabei, eine Biodiversitätsstrategie zu erarbeiten bzw. ein Teil davon wurde bereits veröffentlicht. Insbesondere die zahlreichen Verlautbarungen und Marketingmaßnahmen der verantwortlichen Akteure suggerieren, dass Naturschutz und Erhalt der Biologischen Vielfalt in der Biosphäre Bliesgau prioritäre Ziele darstellen. 

Anlässlich des Entwurfs eines Rahmenkonzeptes für das Biosphärenreservat wurde der NABU-Landesverband um eine Stellungnahme gebeten. Diese Gelegenheit hat der NABU nun für eine grundlegende Bestandsaufnahme (Stellungnahme des NABU) genutzt und anhand vieler Beispiele belegen können, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft. Es wird aufgezeigt, dass die Biodiversität im Rückgang begriffen ist und der Naturschutz in zahlreichen Handlungsfeldern zu kurz kommt. So werden u.a. auch die überambitionierten Klimaschutzziele kritisiert. Mit einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Modellregion seien diese Ziele nicht zu vereinbaren und die Fokussierung auf die Windenergie ginge mit Risiken hinsichtlich des Vogel- und Fledermausschutzes einher.

Nach Abschluss seiner naturschutzfachlichen Analyse kommt der Landesverband zu einem erschütternden Ergebnis: „Für den Naturschutz hat das Biosphärenreservat bisher keinen nennenswerten Beitrag geleistet und ist aus Sicht des Biodiversitätsschutzes im Biosphärenreservatsgebiet in den bisherigen Handlungsprioritäten entbehrlich oder gar schädlich.“

Am 29. Januar berichtete der Saarländische Rundfunk über diese Kritik des NABU-Landesverbandes http://sr-mediathek.sr-online.de/index.php?seite=7&id=38521

Bereits vor einem Jahr hatten fünf Bürgerinitiativen aus dem Bliesgau in einer Resolution (Bliesgau Resolution) auf massive Zielkonflikte mit dem Naturschutz und dem Erhalt der Biologischen Vielfalt im Zusammenhang mit dem Ausbau der Windenergie und einem industriell betriebenen Kalktagebau hingewiesen. Leider haben sich die verantwortlichen Akteure damals nicht einmal im Ansatz auf die gut begründete und sachlich vorgetragene Kritik eingelassen.

Es bleibt zu hoffen, dass man die gewichtige Bestandsaufnahme des größten saarländischen Naturschutz- und Umweltverbandes ernst nimmt und daraus die notwendigen Konsequenzen zieht. Höchste Zeit, dass Naturschutz und Biodiversität im Bliesgau der Stellenwert eingeräumt wird, der ihnen in einem UNESCO-Biosphärenreservat schlichtweg gebührt.

Kerstin Moschel-Haenle

Vorstandsmitglied im Bündnis "Energiewende für Mensch und Natur e.V."

 

 

 

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