Die Akzeptanz der Energiewende ist nur noch dort vorhanden,
wo das Wissen um ihre Auswirkungen fehlt!

Streit um Windenergie in saarländischer Regierungskoalition und fünf Bliesgau-Initiativen bündeln Kräfte:

Roland Theis, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, lehnt die Forderung von Energieministerin Anke Rehlinger (SPD) nach einer Nachjustierung des EEG ab. Damit Binnenlandstandorte auch ab 2017, wenn das bisherige System der Einspeisevergütung auf ein Ausschreibungsmodell umgestellt wird, mit leistungsstarken Standorten an der Küste konkurrieren können, möchte die saarländische Energieministerin das neue Modell mit Regionalkomponenten ausgestattet sehen. Widerspruch kommt hierzu aus der CDU. Laut Roland Theis ist dieser Vorstoß Rehlingers falsch, weil er zu einer Überförderung führe, die ein Mehr an Subventionen und somit auch eine Verteuerung des Windstroms bedeute. Das Ausschreibungsverfahren werde dafür sorgen, dass Windenergieanlagen nur noch dort errichtet werden, wo sie aufgrund ausreichender Windhöffigkeit auch wettbewerbsfähig seien.

Dieser koalitionsinterne Streit offenbart, dass die Standorte im Saarland, ohne eine massive Förderung nicht konkurrenzfähig sind.


Hier kommen Sie zu dem am 02.03.2015 in der Saarbrücker Zeitung veröffentichten Artikel Koalition streitet über Zukunft der Windkraft im Saarland:

http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft/Saarbruecken-Energieminister-Energiewende-Windenergie;art2819,5647884

Die Saarbrücker Zeitung berichtet am 03.03.2015 über eine an die saarländische Landesregierung gerichtete Resolution von fünf Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften aus dem Bliesgau.
Hier kommen Sie zu dem Artikel Fünf Bürgerinitiativen bündeln für den Bliesgau ihre Kräfte:

http://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/stingbert/blieskastel/blieskastel/Blieskastel-Mandelbachtal-Bliesgau-Buergerinitiativen-Grossprojekte-Rubenheim-Tagebau-Windkraftwerke;art446876,5648722

Paderborn

 

26. Mai 2015 - Das Bündnis reagiert auf die Desinformationskampagne des Mainzer Wirtschafts- und Energieministeriums der letzten beiden Wochen

Pressemitteilung: Wie viele Windräder verträgt unser Land?

In mehreren rheinland-pfälzischen Tageszeitungen (einige Links hierzu haben wir nachstehend beigefügt) sowie auch durch die SWR-Landesschau ließ das Mainzer Energieministerium vor zehn Tagen eine erneute Desinformationskampagne verbreiten: Eine Umfrage unter 1000 wahlberechtigten Bürgern ergab demnach eine Zustimmung von 85 Prozent für den Ausbau der Windenergienutzung. Doch die absichtlich ungenaue Formulierung der Fragen ließ keinen Spielraum für ein anderes als das vorweg erwünschte Umfrageergebnis.

Es war eine weitere oberflächliche und tendenziöse Umfrage, die sich in die von der Landesregierung in Auftrag gegebenen politisch motivierten Gutachten, Studien und Umfragen einreiht. Und dies, damit sich Frau Ministerin Lemke laut eigenem Bekunden „durch die Menschen in Rheinland-Pfalz gestärkt und unterstützt“ fühle (wörtl. Zitat).

Die Umfrage entspricht in keiner Weise den methodischen Grundsätzen einer seriösen Befragung und ist mit lediglich 1 000 Befragten von insgesamt drei Millionen Wahlberechtigten weit weg von einer statistisch ernst zu nehmenden repräsentativen Erhebung. Die Kosten dieser aus Steuergeldern bezahlten Umfrage betrugen 38 000 Euro, also 38 Euro je befragter Person.

Ganz anders als Ministerin Lemke bewertet die CDU-Opposition in Mainz die Haltung der Bürger zur Windkraft im Land. Ihr Parlamentarischer Landesgeschäftsführer Hans-Josef Bracht, der aus dem Hunsrück kommt, schätzt die Lage sehr realistisch ein, wenn er von "hohem Frust vor Ort" spricht, wie einem Artikel der AZ vom 23. Mai zu entnehmen war. Dieser Frust und die Widerstände der Bürger werden sich weiter erhöhen, sollten die Planungsgemeinschaften an ihren regionalen Raumordnungsplänen und den zusätzlichen Vorranggebieten für Windkraft weiter festhalten – allen ablehnenden Stellungnahmen von Kommunen, Verbandsgemeinden und Bürgern zum Trotz.

Zugleich erheben die führenden Landespolitiker von Lemkes Grünen-Partei die so vollmundige wie irrsinnige Forderung nach 1 000 zusätzlichen Windrädern für Rheinland-Pfalz. Und wieder verschweigen sie absichtsvoll, dass der Anteil der gesamten aus Windkraft erzeugten Strommenge gerade einmal lächerlich geringe 1,2 Prozent des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland beträgt. Bei diesem sowohl bilanziell als auch faktisch nutzlosen Ertrag benötigen wir kein einziges weiteres Windrad mehr! Denn gleichzeitig (damit die Energieversorgung nicht zusammenbricht) steigt die Stromerzeugung z.B. durch Kohlekraftwerke in ganz erheblichem Ausmaß weiter an.

Völlig den Boden der Realität verlassen hat die rot-grüne Landesregierung mit ihrem propagierten Ziel, bis 2030 solle aller im Land verbrauchte Strom zu 100 Prozent „Ökostrom“ sein. Damit wird den Bürgern einmal mehr vorgetäuscht, die Energiewende käme tatsächlich voran. Doch die sogenannten „Erneuerbaren Energien“, ganz gleich wie stark sie ausgebaut werden, können aus rein physikalischen Gründen niemals mehr als nur wenige Prozent Anteil an der Stromversorgung erreichen. Selbst der Begriff „Erneuerbare Energien“ ist eine Lüge, denn jegliche Form von Energie lässt sich nur umwandeln, doch niemals erneuern. Aber diese physikalische Gesetzmäßigkeit wird von den EE-Befürwortern geflissentlich ignoriert.

Das zentrale Problem einer Umstellung der deutschen Energiewirtschaft auf die generelle Versorgung durch Wind- und Solarstrom ist neben dessen Grundlastunfähigkeit das völlige Fehlen ausreichender Speicherkapazitäten. Doch Dr. Bernhard Braun, der energiepolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion, behauptet mit unglaublicher Chuzpe, eine Lösung dieser Frage sei bereits im vollen Gange. Dem widerspricht Dr. Karl Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter Zukunftsvorsorge im Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Die eine Speichertechnologie gibt es nicht, doch der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht ein verlässliches Energiespeichersystem. Es gibt bereits einige Forschungsansätze, die vielversprechend sind.“ Welch eine Ernüchterung: “Vielversprechende Ansätze” als einziges Forschungsresümee im Mai 2015!

Schon bald wird sich alles Schönreden und Vorspiegeln angeblicher Erfolge der vermeintlichen „Energiewende“ als „grüne“ Scharlatanerie entlarven. Denn schon heute ziehen erste Konzerne und mittelständische Industriebetriebe notwendige Konsequenzen und beginnen ihre Standorte ins Ausland zu verlagern. Deutschlands De-Industrialisierung läuft bereits an. Zugleich sollen aber in Tschechien vier neue Kernkraftwerke gebaut werden, durch deren Stromlieferungen (zusammen mit denjenigen aus polnischen, belgischen und französischen Atommeilern) die deutsche „Energiewende“ überhaupt erst fortgeführt werden kann.

Das Bündnis Energiewende für Mensch und Natur e.V. (43 Bürgerinitiativen in Rheinland-Pfalz und Saarland) fragt, wie lange sich die  Bürger noch von der technisch unvernünftigen, sozial wie wirtschaftlich unverantwortlichen und ökologisch katastrophalen Energiewendepolitik der jetzigen rot-grünen Landesregierung an der Nase herumführen lassen wollen. Wenn sich aus ursprünglich grünen Idealen eine politische Ideologie formt, dann wird Widerstand zur Pflicht eines jeden aufgeklärten Bürgers. Nächstes Jahr ist Landtagswahl!

 

Uwe Anhäuser

Vorsitzender Bündnis Energiewende für Mensch und Natur e.V.

 

Die Pressemitteilung ist als pdf verfügbar: PM Bündnis 27052015


  

Auch die CDU-Fraktion hat auf die Presseerklärung des Wirtschaftsministeriums sehr kritisch reagiert, wie in der Allgemeinen Zeitung (Markus Lachmann) zu lesen war:

 

ENERGIEWENDE Grüne: Alle in den Hof des Weinguts Klöckner / CDU befürchtet Wildwuchs

 

MAINZ - Eine unkoordinierte Verspargelung der Landschaft, an den Wünschen der Menschen vorbei – oder eine Energiewende, die auf breite Akzeptanz der Bevölkerung trifft? Beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz gehen die Meinungen in der Landespolitk auseinander. „Anders als die Grünen befürchten wir wachsende Widerstände“, sagt CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner. So stoßen sich die Christdemokraten an Aussagen der Öko-Partei, bis 2030 würden etwa weitere 1000 Windräder benötigt, um die rot-grünen Energieziele in Rheinland-Pfalz zu erreichen. Diese lauten: 100 Prozent des Stromverbrauchs soll aus Wind, Sonne, Wasser und anderen alternativen Energiequellen stammen – bilanziell, denn das Land ist ein großer Stromimporteur.

 

 

Für den ausführlichen Artikel bitte folgenden Link verwenden:

http://www.allgemeine-zeitung.de/politik/rheinland-pfalz/1000-windraeder--aber-wohin_15442796.htm

 


In einer Presseerklärung der FDP vom 18.05.2015 lautet sogar die Überschrift:

 

Grüne erklären Landschafts- und Naturschutz den Krieg

 

MAINZ. Die Freien Demokraten kritisierten die Ankündigung der Grünen weitere 1000 Windräder im Land aufstellen zu wollen. "Diese Ankündigung zeigt, dass die Grünen den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht marktwirtschaftlich und ökologisch verträglich gestalten wollen, sondern auf eine Form der Öko-Planwirtschaft setzen", sagte der Vorsitzende der FDP Rheinland-Pfalz, Dr. Volker Wissing.

Statt nach flexiblen Wegen zu suchen, um vor Ort die Auswirkungen für Mensch und Natur verträglich zu gestalten, setzen die Grünen auf einen Brachialausbau der Windenergie. Aus Sicht der Freien Demokraten gefährdet die Partei damit die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung. "Es reicht nicht die Energiewende einzig und allein an den Interessen der Windkraftlobby auszurichten", kritisierte Wissing. Die Energiepolitik müsse sich von Denkverboten befreien und wieder rational werden.

"Wer den Erfolg der Energiewende nur an der Zahl neu aufgestellter Windräder misst, hat ein sehr eindimensionales Verständnis von Energiepolitik", kritisierte der FDP-Vorsitzende die rheinland-pfälzischen Grünen. Aus Sicht der Freien Demokraten müsse beim Ausbau der Windenergie mehr Rücksicht auf die Bevölkerung, aber auch das wirtschaftliche Umfeld des Landes genommen werden. "Ein einseitiger Ausbau der Windkraft ohne einen koordinierten Ausbau der Stromtrassen ist wenig sinnvoll", so Wissing. Die Energiewende sei kein isoliertes energiepolitisches Projekt, es müssten auch soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte bei der Umsetzung berücksichtigt werden.

 

Link zu diesem Artikel: http://www.fdp-rlp.de/Gruene-erklaeren-Landschafts-und-Naturschutz-den-Krieg/1558c2141i1p11/index.html

 


Alle kritischen Erklärungen reagieren auf die tolldreisten Verlautbarungen der letzten zwei Wochen aus dem rheinland-pfälzischen Wirtschafts- und Energieministerium.

Auszugsweise verweisen wir auf folgende Artikel:

Allgemeine Zeitung vom 16.05.2015 von Markus Lachmann:

 

1000 weitere Windräder bis 2030

ENERGIEWENDE Grüne erwarten keine zunehmenden Proteste / „Beim Ausbau auf einem guten Weg“

So schnell können sich Wahrnehmungen ändern: Die Energiewende, der „sozial-ökologische“ Wandel, galt als das große Projekt der rot-grünen Regierung im Jahr 2011. Doch im Getöse um den Wechsel von Kurt Beck zu Malu Dreyer, dem Nürburgring-Chaos und angesichts drängender Fragen etwa in der Flüchtlingspolitik ging dieses Thema regelrecht unter.

„Besser als erwartet“

 

http://www.allgemeine-zeitung.de/politik/rheinland-pfalz/1000-weitere-windraeder-bis-2030_15354283.htm

 

oder die Presseerklärung von Frau Lemke zur Studie Klima- und Energiepolitik Rheinland-Pfalz -

 

Lemke: Menschen im Land befürworten mit großer Mehrheit die Energie- und Klimaschutzpolitik der Landesregierung

http://www.mwkel.rlp.de/Aktuelles/Presse/Pressemeldungen/Lemke-Menschen-im-Land-befuerworten-mit-grosser-Mehrheit-die-Energie-und-Klimaschutzpolitik-der-Landesregierung/

 

Artikel in der Welt: Wie die Natur verraten und verkauft wird

Ausgerechnet Grüne und BUND machen sich stark für den Ausbau von Windrädern und Stromtrassen in Naturschutzgebieten und Biosphärenreservaten. Was ist da nur in sie gefahren?

Von Dankwart Guratzsch, Welt, 11. August 2018

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article131079723/Wie-die-Natur-verraten-und-verkauft-wird.html

Die Welt, Dankwart Guratzsch schreibt in diesem Artikel u.a.:

Windräder als "Gesicht" der Energiewende

In der Arbeitsgruppe Energiekonzept Südpfalz, die sich für die Verspargelung des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen einsetzt, agieren neben Lobbyisten von Energieerzeugern und Solarfirmen auch zwei Funktionäre des BUND, als habe es einen Kampf des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland gegen das Waldsterben nie gegeben.

Die Aktivisten machen sich dafür stark, 300 Millionen Euro in die Aufstellung von Windrädern in diesem sensiblen Landschaftsraum zu investieren. Ihre Losung lautet: "Wir wollen der Energiewende in der Südpfalz ein Gesicht geben." Aber was bezeichnen die beteiligten Damen und Herren als Gesicht?

Die von der Arbeitsgruppe vorgelegte Broschüre "Energiekonzept Südpfalz" ist ein Musterbeispiel dafür, wie durch ein täuschendes Vokabular und irreführende Sachbehauptungen die Thematik der großflächigen Landschaftsveränderung im Rahmen der Energiewende deutschlandweit schon fast routinemäßig kleingeredet und verharmlost wird.

So suggeriert das Papier gleich im Eingangsstatement: "Gegenüber den Veränderungen der Landschaft, mit seit Jahrzehnten immerzu gewachsenen Ansprüchen (dazu zählen Verkehrswege, Zersiedelung mit Flächenverbräuchen durch Neubaugebiete und Industrieansiedlung, Großkraftwerke und das Hochspannungsnetz), erscheinen regionale Anlagen für erneuerbare Stromerzeugung unbedeutend."

Das Bundesnaturschutzgesetz sagt klar "Nein"

Tatsache ist demgegenüber, dass 200 Meter hohe Windkraftanlagen das Landschaftsbild weiträumig wie keiner der aufgezählten Eingriffe verändern und ihrerseits weitere Leitungsnetze in bisher unberührte Naturräume ziehen. Das Bundesnaturschutzgesetz erteilt einem derartigen Umgang mit Landschaft eine klare Absage. Paragraf 1, Ziffer 5 des Gesetzes verlangt: "Großflächige, weitgehend unzerschnittene Landschaftsräume sind vor weiterer Zerschneidung zu bewahren."

Die erneute Inanspruchnahme bereits bebauter Flächen habe "Vorrang vor der Inanspruchnahme von Freiflächen im Außenbereich". Wo dies nicht mit letzter Konsequenz möglich ist, macht das Gesetz den Planern ausdrücklich zur Auflage: "Verkehrswege, Energieleitungen und ähnliche Vorhaben sollen landschaftsgerecht geführt, gestaltet und so gebündelt werden, dass die Zerschneidung und die Inanspruchnahme der Landschaft sowie Beeinträchtigungen des Naturhaushalts vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden."

Weder die Verfasser des "Energiekonzepts Südpfalz" noch zum Beispiel das Regierungspräsidium Darmstadt mit seinem mehrbändigen "Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien" für das gesamte südliche Hessen haben es für nötig befunden, ihre Vorstellungen von der Umwandlung unberührter Landschaftsräume mit diesen Gesetzesvorgaben abzugleichen oder erst recht den Betroffenen zu vermitteln.

In keinem einzigen Fall wurde zum Beispiel das heute übliche, leicht zugängliche und hundertfach praktizierte Verfahren der maßstäblichen photogrammetrischen Simulation von Landschaftseingriffen angewandt. Die Energiewende soll im Blindflug absolviert werden.

Dilettantismus und Unverfrorenheit bei der Planung

Vielmehr hat man sich völlig auf diejenige Verfahrensweise verlassen, gegen die keine andere Partei jahrzehntelang so vehement angekämpft hat wie Bündnis 90/Die Grünen. Man konfrontiert die Anlieger mit scheinbar unumstößlichen, erschöpfenden und jeden Widerspruch niederschlagenden Argumenten der technischen Machbarkeit und Rationalität. Solchen Begriffen aber lässt sich der Landschaftsraum nicht unterwerfen. Schon gar nicht, wenn es um Anlagen geht, die das Landschaftsbild in einem Umkreis von bis zu 20 Kilometer Sichtweite dominieren.

Mit welchem verwaltungstechnischem Dilettantismus, aber auch welcher Unverfrorenheit hier vorgegangen wird, beweisen die sich mehrenden Fälle, in denen nicht nur schöne und unberührte Landschaften, sondern Naturschutzgebiete, Biosphärenreservate und sogar von der Unesco mit dem Prädikat des Weltkulturerbes prämierte Kulturdenkmale von Windparks bedrängt und eingekreist werden.

Hier schließt der jüngste Fall, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, an das Römerkastell Saalburg im Taunus und das Obere Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen unrühmlich an. Was Dessau-Wörlitz betrifft, sah sich jetzt sogar der Denkmalschutz veranlasst, seinen Widerstand anzumelden, wobei der Fall deshalb doppelt delikat ist, weil hier zwei Schutzkategorien, sowohl das Welterbe als auch das Biosphärenreservat Mittelelbe, gefährdet werden.

Dass derartige Schutzzonen überhaupt in den Fokus von Windparkplanungen gelangen können, beleuchtet nicht nur eine unglaubliche Hilflosigkeit der Planung, sondern auch die eklatante Unbrauchbarkeit des Instrumentenkastens der Verwaltung.

Machbarkeit ist Ausdruck von Schmalspurdenken

Planungen für oberirdische Eingriffe in unversehrte Landschaftsräume, die sich ausschließlich auf Kategorien der Machbarkeit stützen, ignorieren die Erfahrungen, die Politik und Planung mit einem solchen Schmalspurverständnis von Landesentwicklung bereits machen mussten. Sie können sich als schwere politische Fehlleistung erweisen und setzen sich angesichts der absehbaren Verlagerung des Streites auf die juristische Ebene sogar dem Verdacht einer hintersinnigen Sabotage der offiziellen Energiepolitik aus.

Wie die äußerst differenzierte Formulierung im Bundesnaturschutzgesetz zeigt, besteht aber überhaupt kein Widerspruch zwischen einer landschaftsschonenden und einer an Effektivität orientierten Planung. Voraussetzung ist, dass beide Gesichtspunkte in einem übergreifenden Konzept zusammengeführt werden. Das ist nicht eine Frage der Kosten und des Zeitaufwandes, sondern des politischen Könnens und der Fantasie.

Dem genialen deutschen "Grünplaner", Landschafts- und Stadtgestalter Peter Joseph Lenné war ein solches Verständnis von Planung ein mit unendlicher Geduld und nie versagendem Mut verfolgtes lebenslanges Anliegen. Von sich selbst in der dritten Person redend, legte er in seinem mit gestochener Schrift eigenhändig verfassten Lebenslauf von 1853 das Bekenntnis ab, sein Augenmerk "überall auf Landes-Kultur und Landes-Verschönerung gerichtet" zu haben.

Dass ihm das gelungen sei und "dass seine gestaltende Hand noch auf Jahrhunderte hinaus erkennbar sein wird", bescheinigte ihm nicht nur die Akademie der Künste zu Berlin, sondern ist in vielen Städten und Landschaften Deutschlands bis heute abzulesen. Sollte es seinen Nachfolgern im 21. Jahrhundert wirklich so völlig unmöglich sein, dem Vorbild nachzufolgen?

Buch-Neuerscheinung: GRÜNE LÜGEN von Prof. Dr. Schmidt-Bleek

Nichts für die Umwelt, alles fürs Geschäft - wie Politik und Wirtschaft die Welt zugrunde richten

Die TAZ (Manfred Ronzheimer) schreibt in einem Artikel vom 6.6.2014:

Die Umweltpolitik marschiert in eine falsche Richtung, sagt Öko-Doyen Friedrich Schmidt-Bleek. Der Umweltforscher fordert eine Ressourcenwende

Mit Ökotechnik die Umwelt retten. Sauber fahren mit Elektroautos. Die Energiewende stoppt die Klimakiller. Von wegen! Lauter Lügen! "Grüne Lügen", betitelt Umwelt-Urgestein Friedrich Schmidt-Bleek provokant sein neues Buch. Für ihn marschiert die Umweltpolitik in die Irre, weil sie nur den Schadstoffen hinterherläuft, aber die riesigen, naturzerstörenden Materialverbräuche außer Acht lässt. Was der Planet dagegen braucht, ist eine Ressourcenwende, so Friedrich Schmidt-Bleeks Botschaft. In dieser Woche hat er sein Buch in Berlin vorgestellt.

"Die Ursünde der Wirtschaft ist ihre Ressourcenintensität", sagt der heute 81-jährige Chemiker und Umweltforscher. Ende der 70er Jahre war Schmidt-Bleek am Berliner Umweltbundesamt der Vater des deutschen Chemikaliengesetzes. Am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie entwickelte er später den "ökologischen Rucksack", eine Maßeinheit (Mips, Materialinput pro Einheit Service) zur Bestimmung der ökologischen Gesamtkosten. Hinter jedem Produkt und auch jeder Dienstleistung stehen unsichtbar die Aufwendungen der Rohstoffgewinnung.

Für Seltene Erden werden Landschaften umgepflügt, damit moderne Smartphones funktionieren können. Die Rucksackberechnung bringt Erstaunliches zutage: Der Ressourcenaufwand für eine elektronische Geldüberweisung ist genauso hoch wie die Herstellung von 10 Bierdosen aus Aluminium. Das vermeintlich umweltfreundliche Hybrid-Auto hat einen doppelt so großen Ökorucksack wie ein Benziner.

"Wenn man die Energiewende durchrechnet, werden unter dem Strich mehr Ressourcen verbraucht als vorher", stellt Schmidt-Bleek fest. Beispiele sind die gigantischen Offshore-Windparks vor den Küsten, aber auch die Wärmedämmung der Häuser, sobald die spätere Entsorgung der giftigen Dämmstoffe mit berücksichtigt wird.

Die Einseitigkeit der Umweltpolitik, ihre Schadstofffixierung, hat den Öko-Doyen zu seiner neuen Veröffentlichung angetrieben: "Asbest und Dioxine sind in erster Linie Probleme für die menschliche Gesundheit, mit der ökologischen Stabilität des Planeten haben sie nichts zu tun." Hier sei ein Umdenken gefordert. "Dass dies gerade in einem Land mit so vielen Wissenschaftlern und Experten wie in Deutschland nicht vorankommt, ist beschämend", kritisierte Schmidt-Bleek in seiner Adlershofer Präsentation.

Ein Manko, das auch Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Gründer des Wuppertal Instituts, in der Veranstaltung bestätigte: "Wir müssen nicht allein auf die Milligramms achten, sondern auch auf die Megatonnen an Abraum." Derzeit leite er das Internationale Ressourcenpanel beim Club of Rome, das sich verstärkt mit den problematischen Nebenwirkungen der CO2-freien Technologien beschäftige, ergänzte von Weizsäcker. Dazu zähle die Technik der unterirdischen Kohlendioxidspeicherung CCS. "Damit wird letztlich nur Geld vergraben, ohne Umweltnutzen." Ähnliche zweischneidige Wirkungen lassen sich bei grünen Technologien wie Windkraft, Photovoltaik und Biomasse ausmachen.

Wie ein anderer ökologischer Umgang mit Ressourcen möglich ist, demonstrierte der österreichische Bauunternehmer Hubert Rhomberg, der sich in den letzten Jahren auf den Bau von Holz-Hochhäusern spezialisiert hat. "Die beste Technologie, um CO2 zu speichern, ist ein Baum, der wächst", erklärt der Chef der Rhomberg Holding GmbH. Nach der Holzernte einen Baum zu verbrennen, etwa in Form von vermeintlich umweltfreundlichen Holzpellets, hält Rhomberg für ein "ökologisches Verbrechen". Sinnvoller sei es, das Holz zunächst konstruktiv zu nutzen.

"So können wir Kohlendioxid für hundert Jahre in Holzhäusern binden". Holz besitze einen Ökorucksack-Faktor von unter 1, Stahl dagegen 8. Dass Holzbauten nach modernen Anforderungen, einschließlich Brandschutz, auch in Städten möglich ist, beweist Rhomberg gegenwärtig mit einem 100-Meter-Hochhaus, das in Wien entsteht.

Enttäuscht sind die Ökoforscher von den Umweltpolitikern. "Selbst im dicken Wahlprogramm der Grünen findet sich fast nichts zum Thema Ressourcen", bemängelt Schmidt-Bleek. Von Weizsäcker hat zwar Passagen in der Koalitionsvereinbarung entdeckt, "aber sie werden nicht in Praxis umgesetzt". Ein wichtiger Schritt wäre für Schmidt-Bleek die Einrichtung einer "Informationsagentur" in Deutschland zum Thema Ressourcen und Stoffströme. Ein Konzept dafür wurde vor Jahren für die österreichische Regierung erarbeitet.

Auf dieser Grundlage könnten dann auch öffentliche Aufträge anders vergeben werden, mit dem Ziel eines geringeren Stoffverbrauchs. Schmidt-Bleeks Vorschlag: "Die öffentliche Hand muss sagen, wir vergeben künftig ein Drittel unserer Aufträge nur nach Rucksack-Kriterien."

Zum Artikel geht es hier: http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2014/06/06/a0116

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